In unserem täglichen Leben sind wir betroffen durch die Aktivitäten von Gentechnik-Konzernen wie MONSANTO, DuPont/Pioneer, Dow Agrosciences, Bayer, BASF und Syngenta. Sei es dadurch, dass gentechnisch verän- derte Pflanzen dieser Konzerne angebaut werden und dadurch über Jahrtausende erprobte Kulturpflanzen verdrängt und zerstört werden. Oder sei es dadurch, dass die mit Hilfe dieser gentechnisch veränderten Pflanzen hergestellten Lebensmittel letztendlich auf unserem Teller landen. Ziel dieser Konzerne ist es, die weltweite Landwirtschaft und Lebensmittelerzeugung unter ihre Kontrolle zu bringen. Allen voran MONSANTO, dem es aufgrund seiner aggressiven Firmenpolitik bereits jetzt gelungen ist, den Weltmarkt an gen- technisch verändertem Saatgut zu beherrschen � über 90% der weltweit angebauten gentechnisch veränderten Pflanzen stammen von MONSANTO. Aber MONSANTO strebt nach mehr ...
MONSANTO ist ein internationaler Konzern mit Haupt- sitz in den USA, der gentechnisch verändertes Saatgut erforscht, produziert und verkauft. Ursprüng- lich wurde er 1901 als Chemie-Konzern gegründet und entwickelte sich zu einem führenden Pharma- und Chemieproduzenten. Zur Produktpalette gehörten neben Aspirin und dem Süßstoff Saccharin auch viele nachweislich gesundheits- und umweltschädigende Produkte wie das im Vietnamkrieg zur Entlaubung eingesetzte Agent Orange. Ende der 1970er-Jahre nahm der Konzern die Forschung an gentechnisch veränderten Pflanzen auf und war damit einer der Pioniere auf diesem Sektor. Anfang der 1990er-Jahre verfolgte das Unternehmen kon- sequent seine so genannte "Life-Science-Strategie". Damit bezeichnete man in dieser Zeit das Ziel den Landwirtschafts-, den Pestizid*- und Saatgutbereich und auch die pharmazeutische Produktion unter dem Dach der Schlüsseltechnologie Biotechnolo- gie/Gentechnologie neu aufzustellen. Durch den welt- weiten Widerstand gegen die Agro-Gentechnik brach diese Strategie jedoch Ende der 1990er Jahre zu- sammen. Die Life-Science Konzerne, darunter auch MONSANTO, waren gezwungen sich auf den Bereich der Landwirtschaft zu fokussieren beziehungsweise ihre Landwirtschaftssparten zu verkaufen. Diese umfassen im Bereich Landwirtschaft außer dem Saat- gutgeschäft auch die "dazugehörigen" Pestizide*. In den letzten 10 Jahren kaufte MONSANTO überall auf der Welt Saatgutfirmen auf und ist jetzt mit mehr als vier Milliarden Euro Umsatz weltweit der zweitgrößte Saatgutanbieter und der größte Anbieter von Gentech- Saatgut. Über 90% des weltweiten Umsatzes bei gen- technisch verändertem Saatgut fließt in die Taschen von MONSANTO. In Deutschland wurde im Jahr 2006 auf insge- samt knapp 500 Hektar gentechnisch veränderter Mais angebaut � dabei handelte es sich es sich ausschließlich um aus der Sorte MON 810 von MONSANTO entwickelte Gen-Mais-Varianten. Auch im Jahr 2007 soll der gentechnisch veränderte Mais MON 810 wieder angebaut werden. Wie in den Vorjahren liegen die Flächen vor allem im Osten Deutschlands.
MONSANTO und die Agro-Gentechnik MONSANTO weigerte sich lange, Untersuchungsergebnisse aus der konzerninternen Forschung zu veröffentlichen, wurde dann aber im Jahr 2006 letztendlich gerichtlich gezwungen wenigstens eine der brisantesten eigenen Studien zu Fütterungsversuchen öffentlich zugänglich zu machen. Im März 2007 wurde in einer von der französischen Organisation CRIIGEN (Committee for Independent Research and Genetic Engineering) durchge- führten Neuauswertung gezeigt, dass die Versuchstiere Schädigungen von Leber und Nieren aufwiesen. Doch MONSANTO ignoriert alle Risiken und versucht unbeirrt weiter, weltweit gentechnisch veränderte Pflanzen zu etablieren. Dabei ist klar: Gentechnik ist unnötig, einzige Profiteure sind Konzerne wie MONSANTO. Für die VerbraucherInnen und die LandwirtInnen ist auf längere Sicht kein zusätzlicher Nutzen erkennbar. Über 60% der europäischen VerbraucherInnen wollen keine Gentechnik auf ihrem Teller, in Deutschland liegt die Ablehnung sogar bei etwa 75%. MONSANTO behauptet auch, das Nebeneinander von gen- technikfreiem Anbau und dem Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen " die sogenannte Koexistenz " wäre ohne Probleme möglich. Doch Pollenflug und Verbreitung von Pollen durch Bienen und andere Insekten lassen sich nicht kontrollieren. MONSANTO ist außerdem eine treibende Kraft bei der Ein- führung der sogenannten Terminator-Technologie. Hinter diesem Begriff verbirgt sich eine bestimmte Art der Genmanipu- lation bei Feldpflanzen: Einmal ausgebracht, produziert die Ter- minator-Saat weitestgehend tote Ernte, die nicht wieder zur Aus- saat verwendet werden kann. Weil der/die LandwirtIn so immer neues Saatgut kaufen müsste, gerät er/sie immer stärker in Abhängigkeit. Risiken für Mensch und Natur sind völlig unklar. Es gibt Studien, die belegen, dass die für die Keim-Unfähigkeit verantwortlichen Gene rezessiv weitervererbt werden. Zwar hat MONSANTO sich nach öffentlichem Druck vorläufig von der kommerziellen Nutzung der Terminator-Gene distanziert, doch der Konzern forscht weiter, und die Befürchtung bleibt: Sobald sich eine Gelegenheit bietet, ist MONSANTO mit der Termina- tor-Technologie wieder zur Stelle. In der Zwischenzeit greifen die Firmen weiter auf Hybridsaatgut zurück. Die Problematik dieses Anbaus ist beispielsweise anhand die verödeten Mais-Monokulturen seit Jahrzehnten bekannt. Auch hier ist ein Nachbau nicht möglich. Viele Feld- pflanzen werden heutzutage als Hybridsaatgut vermarktet.
*Anmerkung.: Pestizid=Schädlingsvernichtungsmittel
MONSANTOs schmutzige Tricks Wieso lassen sich LandwirtInnen eigentlich trotz aller Risiken und der weit verbreiteten Ablehnung bei den KonsumentInnen auf die Agro-Gentechnik ein? Und wieso öffnet die Politik dem Vormarsch der Gentechnik trotz aller Proteste aus der Bevöl- kerung Tür und Tor? MONSANTO betreibt dazu zum einen eine unfangreiche Ma- schinerie von weltweiter Werbung für sein Gentech-Saatgut. Bäuerinnen und Bauern lassen sich allzu oft von dieser Werbung täuschen und wollen dieses Saatgut auch selbst einmal auspro- bieren, kommen dann aber nicht mehr davon weg. Zum anderen nimmt MONSANTO Einfluss auf Politiker. Für Politiker ist es attraktiver von Innovation, Arbeitsplätzen und Fortschritt, als von Vorsicht und Abhängigkeiten zu sprechen. Um sein Ziel eines weltweiten Saatgutmonopols zu erreichen, setzt MONSANTO die folgenden Strategien ein, die wie Zahnräder ineinander greifen. Patente & Kontrolle Seit den 80er Jahren hat MONSANTO Patente auf gentechnisch veränderte Pflanzen angemeldet. Inzwischen hält MONSANTO in den USA und Europa über 600 solcher Patente, mehr als jeder andere Gentechnik-Konzern. Diese werden immer häu- figer so weit gefasst, dass sie neben dem gentechnischen Eingriff und der Entwicklung des Saatgutes auch den land- wirtschaftlichen Anbau, die Ernte und zum Teil sogar deren Verarbeitung, bis hin zum Produkt im Supermarkt, umfassen. LandwirtInnen wird in "Knebelverträgen" verboten, die eigene Ernte als Saatgut zu verwenden. Sie werden außerdem ver- pflichtet, ihre Pestizide bei MONSANTO zu erwerben. In neueren Verträgen wird LandwirtInnen sogar untersagt, MONSANTO zu verklagen, sollte das Gentech-Saatgut im Anbau versagen. Ignoriert ein/e LandwirtIn die Vereinbarungen, so kann er/sie haftbar gemacht werden. Eines der bekann- testen Opfer MONSANTOs ist der kanadische Raps-Farmer Percy Schmeiser: Patentierte Gene kontaminierten seine Ernte � statt ihn zu entschädigen zerrte MONSANTO ihn wegen Patentrechtsverletzung vor Gericht. Falsche Versprechen MONSANTO verspricht, dass sein Saatgut höhere Erträge bringt. Erfahrungen zeigen aber, dass dies nicht den Tatsachen entspricht: In den USA und Indien gab es zum Teil schwere Missernten bei gentechnisch veränderter Baumwolle und die LandwirtInnen mussten massive finanzielle Einbußen hin- nehmen. Kleinbauern/ -bäuerinnen auf der ganzen Welt zei- gen, dass ein vielfältiger Anbau mit lokal angepassten Sorten weitaus höhere und zuverlässigere Erträge bringt. MONSANTO behauptet auch, der Einsatz von Gentechnik verringere den Pestizideinsatz. Da Schädlinge sich jedoch schnell anpassen, werden letztendlich immer mehr und stär- kere Pestizide benötigt. Unabhängige Studien haben gezeigt, dass sich in den USA und in Argentinien der spezifische Verbrauch von Herbiziden auf Gen-Sojafeldern seit Einführung der Gentechnik (nach einer anfänglichen Verringerung des Herbizideinsatzes in den ersten Jahren des Anbaus) gegen- über dem Herbizidverbrauch im konventionellen, gentechnik- freien Anbau stark erhöht hat. Selbst Untersuchungen staat- licher US-Institute belegen den zunehmenden Pestizid- verbrauch bei verschiedenen gentechnisch veränderten Pflanzen. Schleichende Kontamination Eine beliebte Strategie MONSANTOs in den Ländern des Südens ist es, Gen-Saatgut an Kleinbauern/ -bäuerinnen zu verschenken, als großzügige Nahrungsmittelhilfe zu liefern oder gleich illegal freizusetzen. Die Ernte wird lokal getauscht, weiterverkauft und wieder ausgesät, mit der Folge, dass die Gen-Saat von den Bauern selbst unwissentlich weiter ver- breitet und somit still und heimlich etabliert wird. Dies schafft Fakten, die einer Zulassung von Gen-Saatgut auch dort den Weg ebnet, wo Verbote bestehen: In Brasilien wurden bei- spielsweise Anbauverbote aufgehoben, weil angeblich viele Felder ohnehin schon durch Transport und Pollenflug konta- miniert waren. Auch in Deutschland möchte MONSANTO seine Gen-Saaten nun auf den Markt drücken. Um die "Koexistenz" mit gen- technikfreien Landwirtschaftsbetrieben zu sichern, bietet das Unternehmen im Osten Deutschlands in Zusammenarbeit mit der Märkischen Kraftfutter GmbH (Märka) ein neues Modell zur Vermarktung an: Es garantiert den LandwirtInnen die Abnahme ihrer Maisernte zum aktuellen Marktpreis, ohne auf gentechnische Verunreinigung zu prüfen. So soll vermieden werden, dass Gentech-LandwirtInnen wegen der Kontamina- tion von Nachbarfeldern Schadensersatz zahlen müssen. Von MONSANTO und der Märka wird dies als Koexistenz- Modell für Deutschland verkauft. Doch tatsächlich handelt es sich um eine legalisierte Kontamination, die den Haftungsar- tikel des Gentechnik-Gesetzes mittels Blankoschecks um- geht! Damit werden auch Gerichtsverfahren und damit ver- bundene öffentliche Kritik unterbunden.
Einflussnahme auf Politik, Verwaltung und Wissenschaft: MONSANTO macht vor Betrug & Bestechung nicht halt. In Indonesien hat MONSANTO Regierungsbeamte geschmiert, damit sie MONSANTOs Gen-Sorten zulassen. Wissenschaft- liche Institutionen werden von MONSANTO bezahlt, damit sie in "unabhängigen" Studien die Unbedenklichkeit der Gen- technik bestätigen � kritische WissenschaftlerInnen hingegen werden mundtot gemacht. Außerdem ist der Konzern Mitglied zahlreicher Lobbygruppen und Strategie-Allianzen weltweit, um auf politische Entschei- dungen Einfluss zu nehmen. In den USA hat MONSANTO enge Kontakte zu RegierungsvertreterInnen und ist offizieller Berater für Agrarhandelspolitik & Biotechnologie. Auch in Deutschland hat sich MONSANTO das Wohlwollen zumindest von einigen Staatsbediensteten ergattert: Spitzenbeamte beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, das für Zulassungen gentechnisch veränderter Pflanzen zu- ständig ist, traten in einem Werbefilm der Gentech-Industrie auf, der unter anderem von MONSANTO finanziert wurde und lobten die Vorzüge von Gen-Mais. Risikotechnologie Gentechnik Die Auswirkungen der Gentechnik auf Mensch und Natur sind weitgehend unerforscht. Zahlreiche Hinweise auf gesundheit- liche Risiken beim Verzehr genmanipulierter Lebensmittel werden nicht weiter verfolgt. Die ökologischen Risiken des An- baus von Gen-Pflanzen sind nicht absehbar. Der Gen-Pflanzen- Anbau gefährdet zudem die bäuerliche Landwirtschaft. Wir fordern:
- Sofortiger Ausstieg aus der Risikotechno- logie Gentechnik!
- Vielfalt achten - Stopp der systematischen Unterwanderung der Landwirtschaft durch Gen-Saaten!
Keine Terminator-Gene - weder auf dem Feld noch im Labor!
- Schluss mit Patenten auf Leben - Keine Pa- tente auf Gene, Pflanzen und Tiere!
- Förderung und verstärkte Forschung im Be- reich der bäuerlichen Landwirtschaft!
V.i.S.d.P.: Klaus Müller (Greenpeace-Gruppe München), Dr. Wolfgang Wiebecke (Agrargruppe von Attac Wuppertal), Dr. Ruth Tippe (Initiative "Kein Patent auf Leben!") Dieses Informationsblatt kann übersetzt und an regionale Bedürfnisse angepasst werden, für die wir jedoch keine Verantwortung übernehmen. Version 30. April 2007
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