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Beitrag: Globalisierung

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Weitere Informationen unter: www.wirtschaftsverbrechen.de

Globalisierung nennt man - spätestens seit dem Ende des Kalten Krieges - ganz generell das mit 
der Öffnung gigantischer Märkte im Osten beginnende Entwicklungsstadium des Imperialismus.
Globalisierung gilt als eine "wertneutrale" Bezeichnung, meint aber die selben Bedingungen und
den selben Prozess der Demokratisierung und Kapitalisierung von Staaten und Gesellschaften, der
lange vor und während des Kalten Krieges nicht nur von Kommunisten, sondern auch von kritischen
bürgerlichen Wissenschaftlern und Politikern als Imperialismus bezeichnet wurde.


Es handelt sich um eine finanzkapitalistische Form der "Eroberung von Märkten", die nicht mehr,
wie das im Kolonialismus des europäisch-christlichen Feudalismus der Normalfall war, Staaten und
Völker erobert, unterwirft und besiedelt, sondern diese in das (noch immer expandierende) System
des so genannten Weltmarkts derart integriert, dass die - möglichst frei gewählten - Regierungen
sich dem indirekten Regime des internationalen Finanzkapitals nicht mehr wirksam entgegen
stellen können.

Die internationalen Kapitalstrategen treiben diesen Globalisierungsprozess nach wie vor in
einer Art und Weise voran, dass er sich ohne Übertreibung als globaler "Wirtschaftskrimi" und
als postmuraler (nicht mehr ernsthaft von Kommunisten und Sozialisten bekämpfter und
behinderter) Imperialismus beschreiben lässt. Man kann sagen: Illegales wie legales Kapital
gehen in diesem Transformationsprozess über Leichen, zerstören "rückständige" Sozialordnungen
und Herrschafts-formen sowie die natürlichen Lebensgrundlagen der Gattung Mensch. Die sich in
globalisie-rungskritischen Nicht-Regierungsorganisationen formierenden Widerstände (zum Beispiel
Attac) haben zwar eine wichtige Aufklärungsfunktion, blenden aber in ihren
globalisierungskritischen Analysen und in ihren Konzepten über gesellschaftspolitische
Alternativen das Kernproblem unserer Weltökonomie, die Wirtschaftskriminalität - trotz einiger
erfreulicher Vorstöße im Bereich der Steuerhinterziehung - noch weitgehend aus.

Daher ist es notwendig, dass Globalisierungskritiker auch über Wirtschaftsverbrechen sprechen
müssen. BCC tut das und unterscheidet - um den wichtigen historischen Zusammenhang und die
Entwicklungsgeschichte der kriminellen Ökonomie zu verdeutlichen - drei große Etappen der
Globalisierung von ausbeuterischer und friedensgefährdender Wirtschaftsmacht:

Die erste Etappe ist der klassische Kolonialismus. Der Kolonialismus gehört in Europa -
systemisch gesehen - ins Zeitalter des christlichen Feudalismus. Seine Besonderheit ist vor
allem darin zu sehen, dass die von Gottes Gnaden regierenden Feudalherrschaften landhungrig
waren und daher unerschlossene oder von anderen Völkern besiedelten Gebiete - meist mit der
Begründung, einen christlichen Missionsauftrag erfüllen zu müssen - mehr oder weniger gewaltsam
unterwarfen, christianisierten oder umbrachten, mit Kolonisten besiedelten und - im Namen Gottes
- bis aufs Blut ausplünderten. Das waren Wirtschaftsverbrechen, auch wenn es diesen Begriff
damals noch nicht geben konnte. Voraussetzung zur Entstehung und Entwicklung dieses Begriffs ist
der Kampf derer, die über kein - oder kein nennenswertes - Kapital verfügen, um den
demokratischen und sozialen Rechtsstaat.

Der mit der Kolonisierung fremder Länder, ja ganzer Kontinente, zwischen Kolonien und
europäischen Mutterländern aufblühende Handel wurde zu einer nicht mehr versiegenden Quelle vor
allem bürgerlichen Reichtums und gesellschaftlicher Entwicklung. Die infrastrukturelle und
ideologische Basis dieses Reichtums war über viele Jahrhunderte der ausbeuterische, sich
aus-drücklich als christlich bezeichnende Handelskapitalismus. Er nennt sich zwar heute nicht
mehr christlich, liegt aber noch immer weitgehend in Händen christlich dominierter
Handelsgesellschaften und spielt nach wie vor eine zentrale Rolle. Max Weber hat den
Handelskapitalismus mit dem von ihm so bezeichneten Abenteuer- und Raubkapitalismus zugeordnet,
mit dem er alle Formen "irrationaler" Ausbeutung der vergangenen 4000 Jahre bezeichnet. Von
diesem Abenteuer- und Raubkapitalismus wollte Weber den modernen "rationalen"
Industriekapitalismus unterschieden wissen, weil der stets - so der gegen Marx und dessen Kritik
an der so genannten "ursprünglichen Akkumulation argumentierende Weber - sein Startkapital und
seine aus produktiver Arbeit gewonnenen Reichtum durch Fleiß, Sparsamkeit und anderer
protestantisch-asketische Tugenden erwarb.

Der Handelskapitalismus (man denke an die Geschichte der Ostindischen Kompanie) förderte die
Entwicklung der europäischen Städte und des bürgerlichen Dritten Standes. Das Bürgertum wurde
immer reicher und gewann damit in den Feudalgesellschaften - unterstützt von Fürsten selbst - an
Macht und Einfluss. Doch dieselben Feudalherrn, die im engen Bündnis mit der Handelsbourgeoisie
und den ersten privaten Maufakturisten nationale und internationale Märkte entwickelten und sich
selbst zu absolutistischen Fürsten erhoben, wurden - als die Zeit dazu reif war - von diesem
Dritten Stand, allerdings mit Unterstützung der ausgebluteten Handwerker und Bauern, gewaltsam
gestürzt und durch bürgerliche Regierungen ersetzt.

Der Transformationsprozess des feudalen zu einem kapitalistischen Wirtschaftssystem begann schon
- mit damals noch sozialstrukturell unklaren Klassenfronten - im 14. Jahrhundert in den
Oberitalienischen Stadtstaaten (z.B. mit den Ciompi-Aufständen in Florenz). Er führte zur so
genannten Renaissance, dem Rückgriff auf antike Denkweisen, und mit diesen Rückgriffen zu neuen
Weltsichten. Damit war die Entdeckung der realen Welt zum Programm geworden, und die Entdeckung
des neuen Kontinents, nämlich Amerikas, war nur noch eine Frage der Zeit. Es gingen damit einher
die Erfindung des Buchdrucks und die Reformationen Luthers und Calvins. Der Abfall von der
Vormundschaft Roms mündete in den Abfall mehrere "Nationen" von der Vorherrschaft der
Habsburger, so der niederländischen Kolonien von Spanien. Es kam zu den Bauernkriegen, die zwar
scheiterten, aber (wenn man Thomas Münzers Vorstellungen zugrunde legt), der erste gewaltsame
Großversuch waren, den alten feudalistischen Obrigkeitsglauben mitsamt seinem System zu
überwinden. In seiner Novelle Michael Kohlhaas zeigt Heinrich von Kleist ein Beispiel des
Versuchs eines anständigen, von einem Feudalherrn willkürlich enteigneten Pferdehändlers, sich
durch Gründung einer privaten Bande sein Recht gewaltsam - an der herrschenden Ordnung vorbei -
zu verschaffen. Hier ist es Luther, der dem Terroristen Kohlhaas noch zur Vernunft verhilft und
davon überzeugt, dass man sich sein Recht nicht gegen die gottgegebene Obrigkeit gewaltsam
verschaffen darf.

Mit dem Dreißigjährigen Krieg erreichten die Auseinandersetzungen zwischen Katholizismus und
Protestantismus ihren Höhe- und auch Wendepunkt. Deutet man - was unüblich ist - den Abfall der
Niederlande als ersten antikolonialistischen Erfolg, so kann man sagen, die Wende vom
feudalistischen Kolonialismus zum kapitalistischen Imperialismus habe mit dieser Befreiung
begonnen. Es finden sich in diesem historischen Übergangsstadium schon deutliche Anzeichen
dafür, dass sich zumindest der innereuropäische Kolonialismus seinem Ende zuzuneigen begann. Es
entstanden zunehmend bürgerlich-kapitalistisch geprägte Nationalstaaten. Freilich noch immer
mit Monarchien - wenn auch nicht mehr absolutistischen, sondern konstitutionellen. Die
Niederlande und England als starke Handelsnationen waren Schrittmacher dieser Entwicklung.
England gehörte zu den ersten Nationen, die mit der Magna Charta und anderen Verfassungsrechten
den Weg zum modernen bürgerlichen Verfassungsstaat vorzeichneten. Andere folgten, obgleich es
noch Jahrhunderte dauerte, bis innergesellschaftliche Kämpfe und Kriege den Feudalismus samt
seinem Konzept des Kolonialismus ruiniert hatten und der Kapitalismus mit seinem Imperialismus
als neues Entwicklungsstadium der langen, zunächst noch europäisch geprägten Wirtschafts- und
Sozial-geschichte erkennbar wurde.

Die Geschichte des modernen demokratischen Kapitalismus und in Ansätzen schon imperialistischen
Antikolonialismus beginnt mit der "Unabhängigkeitserklärung" der Neuengland-staaten, die sich
von da an die Vereinigten Staaten von Amerika (USA) nennen. Indem die USA sich aus britischen
Kolonien bilden, ist dies einerseits der Beginn des überseeischen Antikolonia-lismus. Denn
bekanntlich befreien sich im Laufe des 19. Jahrhunderts die meisten Kolonien des amerikanischen
Kontinents von ihren Mutterländern. Aber mit dem Postulat der USA: Amerika den Amerikanern, war
auch der Anfang des modernen kapitalistischen Imperialismus markiert. Die USA betrieben - indem
sie jegliche Einmischung von europäischer Seite unterbanden und sich auch nicht in europäischen
Angelegenheiten einmischten, eine von Außen ungestörte systematische Staatsbildungspolitik. Sie
unterwarfen die Indianer, betrieben eine brutale Siedlungspolitik und kauften riesige
Territorien wie Louisiane von den überschuldeten Franzosen, Alaska von den verschuldeten
russischen Zaren. (wird fortgesetzt)

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